Ostern feiern in schwierigen Zeiten

Die Osterbotschaft von Norbert Stange,
eines Menschen mit schweren Behinderungen hat mich tief beeindruckt!
Ich finde, sie ist es wert in der Kar-und Osterzeit 2020 tröstend weitergesagt zu werden. 

Pfarrer Karl-Hermann Büsch

Osterglocken

Ostern feiern in schwierigen Zeiten 

Erlebt man durch die Teilnahme am Fernsehgottesdienst etwas von der sakramentalen Gegenwart Jesu Christi? Auf jeden Fall, wenn ich im Geiste dabei bin und innerlich berührt werde. Denn jetzt in „Coronazeiten“, wo die Gottesdienste in der Alexianer Kirche ausfallen, kann ich dies erfahren. Umgekehrt nicht jeder Gottesdienst an dem ich in einer Kirche teilnehme, wird zum spirituellen Erlebnis. Ich erinnere mich an einen Gottesdienst Gründonnerstag in meiner Jugend als Ministrant. Da hat der Pfarrer den Männern vom Pfarrgemeinderat die Füße gewaschen. Ich kannte jeden davon und war innerlich abgelenkt, als er dem dicken Herrn Schmitz, unserem Küster, die Füße wusch. Schließlich war es sonst in der Sakristei umgekehrt. Da half der Küster dem Pastor beim Anziehen der Messgewänder. Ich war erstaunt und irritiert, aber eine tiefere Bedeutung bekam die Fußwaschung nicht. Erst als ich vor vielleicht zwei Jahren im Fernsehen gesehen habe, wie Papst Franziskus an Gründonnerstag in einem Gefängnis einer Gruppe von inhaftierten Männern die Füße wusch und dann küsste, war ich tief bewegt von dieser Zeichenhandlung. Ich begriff, dass diese Männer, die wegen einer Straftat eingesperrt und damit vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt waren, bei Gott ihren festen Platz hatten. Wunderschön: Gottes Liebe – hier durch Papst Franziskus vermittelt – sucht uns Menschen auch hinter den Gefängnismauern auf und ist bereit, uns die Füße zu waschen. Ostern feiern in Coronazeiten. Wenn ich mir im Fernsehen die Bilder der vielen Erkrankten in Italien und Spanien in den überfüllten Krankenhäusern anschaue, dieses große Leiden und Sterben, aber auch diese vielen hilfreichen Menschen, dann bleibt mir als Hoffnung das Versprechen des Sonnenaufgangs heute Morgen. Die Farben und das Licht der Sonne, die aus der Nacht in einen blauen Himmel ohne Wolken steigt. Ostern, die Morgenröte eines neuen Tages, des ewigen Tages Gottes. Der Tod, die finstere Nacht, ist gleichzeitig der Übergang zum neuen Leben im ewigen Tag Gottes. Das ist meine Hoffnung, und die Osterglocken auf der Wiese und jeder blühende Kirschbaum weisen mich auf diese Hoffnung unseres Lebens, die Auferstehung hin.

Norbert Stange
27. März 2020


Norbert Stange wohnt in Haus Monika, einer Pflegeeinrichtung der Alexianer. Aufgrund von umfangreichen Lähmungen diktiert er Herrn Franz-Josef Heidkamp (Religionspädagoge) seine Texte, und Herr Heidkamp gibt bei Bedarf Anregungen zum Ausformulieren. 


Mit Herrn Stange wünsche ich Ihnen gesegnete Kar-und Ostertage

Pfarrer Karl-Hermann Büsch


Foto: Heidkamp, Beginenhof in Brügge

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